Digital Health

Innovationsfonds erhält 240 Anträge bei halbiertem Budget

KI im Versorgungsalltag und ambulante psychische Versorgung prägen die neue Förderrunde.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 27. Oktober 2026

Für die aktuelle Förderrunde zur Versorgungsforschung sind 240 Projektanträge beim Innovationsausschuss eingegangen. Das Interesse bleibt damit hoch, obwohl der finanzielle Spielraum des Innovationsfonds ab 2027 deutlich sinkt. Für Forschungsverbünde, Krankenkassen und Versorgungseinrichtungen verschärft sich der Wettbewerb um Fördermittel.

119 Anträge wurden themenoffen eingereicht, 121 beziehen sich auf vier vorgegebene Schwerpunkte. Die größte Nachfrage entfällt mit 44 Anträgen auf die bedarfsorientierte Steuerung in der ambulanten psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung. Weitere 41 Vorhaben wollen untersuchen, in welchem Umfang künstliche Intelligenz bereits im Versorgungsalltag eingesetzt wird, welche Anwendungen genutzt werden und welche Auswirkungen sie haben.

26 Anträge befassen sich mit patientenzentrierten Entscheidungen über invasive Maßnahmen bei hochbetagten, gebrechlichen Menschen. Zehn Projekte zielen auf Patientenschulungen in Disease-Management-Programmen, also strukturierten Behandlungsprogrammen für chronisch Erkrankte. Die Verteilung zeigt, dass nicht nur neue Technologien, sondern auch Steuerung, Entscheidungsqualität und die Umsetzung bestehender Versorgungskonzepte im Fokus stehen.

Im Vorjahr war mit 268 Anträgen ein Rekord erreicht worden. Die aktuelle Zahl liegt rund zehn Prozent darunter, bleibt aber angesichts des bevorstehenden Budgetrückgangs hoch. Welche Vorhaben gefördert werden, soll voraussichtlich am 21. Mai 2027 feststehen. In die Auswahl fließen Gutachten eines ehrenamtlichen Expertenpools aus Wissenschaft und Versorgungspraxis ein. Neue Förderbekanntmachungen zur Versorgungsforschung sind für den 18. Juni 2027 angekündigt.

Die Rahmenbedingungen ändern sich zugleich grundlegend. Das jährliche Volumen des Innovationsfonds wird ab 2027 dauerhaft von 200 auf 100 Millionen Euro reduziert. Davon sind nach der bisherigen Aufteilung 80 Millionen Euro für neue Versorgungsformen und 20 Millionen Euro für Versorgungsforschung vorgesehen. Nicht genutzte Mittel können künftig nicht mehr wie bisher aus dem Vorjahr übertragen werden.

Für Antragsteller steigt damit die Bedeutung eines klar belegten Versorgungsproblems, eines belastbaren Studiendesigns und eines realistischen Transfers in die Regelversorgung. Besonders bei KI-Projekten dürfte entscheidend sein, ob sie den bereits laufenden Einsatz systematisch erfassen und konkrete Aussagen zu Nutzen, Risiken und organisatorischen Folgen ermöglichen.

Einordnung: Die hohe Antragszahl signalisiert weiterhin großen Forschungsbedarf, trifft aber auf halbierte Mittel. Der Innovationsfonds muss deshalb stärker priorisieren; für den Markt werden jene Projekte besonders relevant, die nicht bei Pilotdaten stehen bleiben, sondern belastbare Wege in die Versorgung und Finanzierung aufzeigen.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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