Das Berliner Startup Platoniq.health, eine Ausgründung der Humboldt-Universität, entwickelt eine App gegen Einsamkeit. Anders als Kontakt- oder Meetup-Plattformen vermittelt sie keine Treffen, sondern trainiert psychologische Fähigkeiten für stabile Beziehungen. In der ersten Evaluationsstudie gaben nach Unternehmensangaben etwa drei Viertel der Nutzenden nach vier Wochen eine geringere Einsamkeit an.
Hinter dem Ansatz steht der Psychologe Silvan Hornstein, Doktorand an der Humboldt-Universität, der zu digitalen Interventionen forscht. Einsamkeit definiert die Forschung als subjektive Wahrnehmung unzureichender sozialer Kontakte; das ist etwas anderes als soziale Isolation. Die verbreitete Annahme, man müsse einsamen Menschen nur Gelegenheiten zum Kennenlernen bieten, spiegle den Forschungsstand nicht wider, sagt das Team. Als Hinweis darauf verweist es darauf, dass sich gerade junge Menschen in Großstädten mit unbegrenzten Kontaktmöglichkeiten besonders einsam fühlen. Nach Hornsteins Angaben ist fast jeder dritte junge Mensch betroffen. Psychologische Interventionen gelten laut Metaanalysen, auf die sich das Gründerteam beruft, als wirksamster Weg.
Die App nutzt dafür drei Elemente aus der Verhaltenstherapie. Kognitive Umstrukturierung, also das Überprüfen von Annahmen wie „Niemand interessiert sich wirklich für mich“. Verhaltensexperimente, etwa das Teilen eigener Probleme, um unbegründete Ablehnungsängste abzubauen. Und eine spielerische Beobachtung der eigenen Beziehungen: Kontakte werden als kleine Pflanzen visualisiert, was helfen soll, Kontaktpflege konstant zu halten und zu erkennen, wo mehr oder weniger Nähe gewünscht ist. Die Nutzung ist auf wenige Minuten am Tag angelegt.
Zum Team gehören neben Hornstein die Ökonomin Lara Sachs und der Entwickler Daniel Stachnik. Unterstützt wird das Vorhaben durch das Berliner Startup-Stipendium und die Humboldt-Universität; zusätzlich strebt das Team eine EXIST-Förderung an und arbeitet an der Anbindung an die Gesundheitsversorgung, ohne Kosten für Nutzende. Hornstein gewann zudem den Ideenwettbewerb „Art Meets Science“ in der Kategorie sozialer Zusammenhalt.
Einordnung
Platoniq.health besetzt eine Nische zwischen Wellness-App und digitaler Gesundheitsanwendung: Der Ansatz ist wissenschaftlich begründet, die Evidenz bisher aber ein erstes Evaluationsergebnis aus eigener Hand. Für Kassen und Investoren entscheidet, ob eine unabhängige, kontrollierte Studie den Effekt bestätigt und sich ein Erstattungsweg findet. Dass Einsamkeit als Gesundheitsthema ernst genommen wird, zeigt die Marktlücke deutlich.











