Das Berliner Startup Via HealthTech will Psychotherapeuten von Verwaltungsarbeit entlasten. Seine Software nimmt Therapiestunden auf, transkribiert sie und erzeugt daraus strukturierte Zusammenfassungen und psychologische Berichte. Nach Unternehmensangaben nutzen mehr als 1.000 Psychotherapeuten das Produkt täglich, pro Monat entstehen so über 45.000 Sitzungsprotokolle.
Der Ansatzpunkt ist ein bekanntes Problem: Psychotherapeuten verbringen einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit mit Dokumentation und Berichten, während der Bedarf an psychotherapeutischer Versorgung steigt. Via setzt deshalb auf Spracherkennung und KI, ohne die Therapeutin oder den Therapeuten zu ersetzen: Die Fachkraft prüft und verantwortet den Text, die Maschine liefert den Entwurf.
Gegründet wurde das Unternehmen von Lion Langer und Manuel Gremblewski. Es arbeitet in Deutschland und der Schweiz; das Geschäftsmodell ist B2B-SaaS, also Software im Abonnement, für Psychotherapeuten und Einrichtungen im DACH-Raum. Es gibt ein monatliches oder jährliches Abo mit uneingeschränkter Nutzung, zudem eine 14-tägige Testphase.
Bei Gesprächsinhalten aus der Psychotherapie liegt die Hürde nicht in der Technik, sondern im Vertrauen. Via verweist auf mehrere Nachweise: Die Lösung ist nach BSI C5 Typ 2 testiert, dem Kriterienkatalog des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik für Cloud-Dienste, außerdem DSGVO-konform und nach ISO 27001:2022 zertifiziert. Daten werden nicht zum Training von KI-Modellen verwendet. Nach Angaben des Unternehmens erfüllt das Produkt damit die Anforderungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der Bundespsychotherapeutenkammer an solche Anwendungen. Als Alleinstellungsmerkmal nennt Via die Kombination aus Fokus auf Psychotherapie und konsequentem Datenschutz.
Einordnung
KI-Schreibassistenten sind in Arztpraxen längst ein Wettbewerbsfeld; die Psychotherapie ist wegen der besonders sensiblen Inhalte ein Sonderfall, in dem Zertifikate den Marktzugang mitentscheiden. Die Nutzungszahlen sind bislang Eigenangaben, eine unabhängige Studie zur Zeitersparnis ist uns nicht bekannt. Für den Wettbewerb wird entscheidend sein, ob Praxen die Tools dauerhaft bezahlen und wie die Kammern den Einsatz regeln.











