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Ovarielle Endometriose belastet Reserve und Embryonen-Score

Eine Würzburger Rückschau findet weniger Eizellen und niedrigere Tag-5-Scores, belegt aber keinen Nutzen vorsorglichen Einfrierens.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 29. Oktober 2026

Ovarielle Endometriose mit sogenannten Endometriomen war in einer Würzburger Studie stärker mit eingeschränkter Eierstockreserve und niedrigeren Embryonen-Scores verbunden als oberflächliche oder tief infiltrierende Formen. Die Ergebnisse sprechen für eine subtypspezifische Kinderwunschberatung, beweisen aber nicht, dass vorsorglich eingefrorene Eizellen die spätere Geburtenrate verbessern.

Das Team des Universitätsklinikums Würzburg wertete rückblickend Daten aus den Jahren 2014 bis 2025 aus. Eingeschlossen waren 205 Frauen zwischen 20 und 44 Jahren, die eine Follikelpunktion für eine In-vitro-Fertilisation oder intrazytoplasmatische Spermieninjektion durchliefen und laparoskopisch auf Endometriose untersucht worden waren. Die Erkrankung wurde nach etablierten Operationsklassifikationen in oberflächliche, tief infiltrierende und ovarielle Formen eingeteilt.

Bei oberflächlicher Endometriose lag die mittlere Zahl kleiner, im Ultraschall sichtbarer Antralfollikel bei 16,43. Bei tief infiltrierender Erkrankung waren es 11,84, bei ovarieller Endometriose 10,85. Auch die Zahl gewonnener Eizellen unterschied sich: Der stärkste Kontrast bestand zwischen tief infiltrierender und ovarieller Endometriose mit durchschnittlich 11,18 gegenüber 8,14 Eizellen. Das Anti-Müller-Hormon allein unterschied die Gruppen hingegen nicht signifikant.

Für die Embryonenbewertung nutzte das Zentrum KIDScore, einen in der EmbryoViewer-Software integrierten Algorithmus. Er bewertet zeitliche Entwicklungsmerkmale aus der kontinuierlichen Bildbeobachtung; höhere Werte stehen für eine größere erwartete Implantationswahrscheinlichkeit. Am fünften Entwicklungstag erreichten Embryonen bei ovarieller Endometriose im Mittel 5,11 Punkte, Kontrollen ohne Endometriose 6,47. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Am dritten Tag, bei der Befruchtungsrate und bei der tatsächlichen Implantationsrate zeigten sich dagegen keine signifikanten Unterschiede.

Damit misst die Studie Surrogatparameter, nicht Lebendgeburten. Sie stammt aus einem einzelnen Zentrum, ist retrospektiv und umfasst Frauen mit bereits bestehender Unfruchtbarkeit in assistierter Reproduktion. Diese Gruppe entspricht nicht den meist jüngeren Patientinnen, bei denen eine vorbeugende Kryokonservierung erwogen wird. Zudem bleibt schwer zu trennen, welcher Anteil der geringeren Reserve durch die Erkrankung und welcher durch frühere Operationen verursacht wurde.

Für die Praxis sind die Daten deshalb eher ein Signal für frühzeitige Diagnostik als eine allgemeine Aufforderung zum „Social Freezing“. Vor einer operativen Entfernung eines Endometrioms soll die ovarielle Reserve bereits heute mit Anti-Müller-Hormon und Antralfollikelzahl beurteilt werden. Nutzen und Risiken einer Fertilitätsprotektion sind individuell zu besprechen; eine Endometriom-Operation ist keine Voraussetzung für eine erfolgreiche IVF und kann selbst Eierstockgewebe schädigen.

Technologisch zeigt die Arbeit zugleich die Grenze algorithmischer Embryonenbewertung. Ein niedrigerer morphokinetischer Score kann biologische Unterschiede sichtbar machen, ersetzt aber keine patientenrelevanten Endpunkte wie Schwangerschaft und Lebendgeburt. Prospektive Studien müssen klären, ob eine frühere Eizellkryokonservierung bei klar definierten Endometriom-Gruppen tatsächlich Vorteile bringt.

Einordnung

Der anatomische Endometriose-Subtyp könnte die Kinderwunschplanung präzisieren, doch die Evidenz trägt noch keine pauschale Intervention. Der sinnvollste nächste Schritt ist eine kombinierte Bewertung aus Befund, Alter, AMH, Antralfollikelzahl, Operationshistorie und persönlicher Familienplanung.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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