Normalgewichtige Menschen mit metabolischer Dysfunktion-assoziierter steatotischer Lebererkrankung, kurz MASLD, dürfen nicht automatisch als Niedrigrisikogruppe gelten. In einer großen internationalen Kohorte waren Tod und schwere klinische Ereignisse nicht signifikant seltener als bei Erkrankten mit Übergewicht oder Adipositas. Für die Prognose war das Ausmaß der Leberfibrose entscheidender als das Körpergewicht.
Die retrospektive Beobachtungsstudie wertete 18.326 Erwachsene mit durch Biopsie bestätigter MASLD aus 41 Ländern aus. Nach der Einteilung anhand des Body-Mass-Index galten 1.224 Personen oder 6,7 Prozent als schlank. Unter den 12.202 Teilnehmenden mit dokumentiertem Taillenumfang betrug der Anteil 6,0 Prozent. In Asien lag er mit rund elf Prozent höher.
Die beiden anthropometrischen Definitionen stimmten nur mäßig überein. Das zeigt eine praktische Grenze des Body-Mass-Index: Er bildet weder die Fettverteilung noch die Körperzusammensetzung zuverlässig ab. „Schlank“ beschreibt in dieser Analyse daher eine Messkategorie und nicht automatisch geringe metabolische Belastung.
Normalgewichtige Betroffene hatten seltener Typ-2-Diabetes als die Vergleichsgruppe, 38,2 gegenüber 48,3 Prozent. Auch fortgeschrittene Fibrose der Stadien F3 oder F4 war mit 29,3 gegenüber 37,2 Prozent weniger verbreitet. Trotzdem war damit fast jede dritte schlanke Person bereits deutlich fibrotisch erkrankt.
Für die Verlaufsanalyse standen Daten von etwa 9.700 Personen zur Verfügung. Die unbereinigte Gesamtsterblichkeit betrug bei schlanker MASLD 1,08 Ereignisse je 100 Personenjahre, gegenüber 0,91 bei Übergewicht oder Adipositas. Nach statistischer Anpassung war Schlanksein weder unabhängig mit der Sterblichkeit noch mit dem kombinierten Risiko aus Leberkrebs, Dekompensation, Transplantation oder Tod verbunden. Die Konfidenzintervalle umfassten jeweils die Möglichkeit fehlender Unterschiede.
Anders fiel die Fibrose aus: Fortgeschrittene Stadien waren mit einem etwa doppelt so hohen bereinigten Sterberisiko und einem 3,4-fachen Risiko für klinische Ereignisse verbunden. Für die Versorgung spricht das dafür, Fibrose unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild systematisch zu erfassen.
Auch bei den nicht invasiven Tests zeigte sich ein Unterschied. Der aus Alter, Leberenzymen und Thrombozyten berechnete FIB-4-Score erkannte fortgeschrittene Fibrose bei schlanken Betroffenen etwas weniger genau. Die Messung der Lebersteifigkeit per transienter Elastografie erreichte dagegen eine höhere Trennschärfe. Das stützt einen diagnostischen Pfad, bei dem ein günstiger BMI keine weiterführende Risikoprüfung verhindert.
Die Studie beweist keine Gleichwertigkeit der Risiken und erlaubt als rückblickende Analyse keine Kausalaussagen. Zudem umfasst sie eine ausgewählte Population mit klinisch veranlasster Leberbiopsie; die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht direkt auf alle normalgewichtigen Menschen übertragen.
Einordnung
Für Diagnostik und Versorgungssteuerung ist Fibrose der robustere Marker als Körpergewicht. Digitale Scores bleiben als erster Filter nützlich, doch gerade bei schlanker MASLD kann eine technische Steifigkeitsmessung helfen, gefährdete Personen zuverlässiger zu erkennen.











