Das Münchner Startup MPIRIQ will die tägliche Versorgung und die medizinische Forschung über eine gemeinsame Dateninfrastruktur verbinden. Die Software strukturiert Patientendaten aus Arztpraxen und automatisiert die Dokumentation. Bis Ende Februar 2026 hat das Unternehmen nach eigenen Angaben 25 Praxen als Partner gewonnen.
Gegründet wurde MPIRIQ von Dr. med. Markus Schuler, Dr. Florian Schröder und Markus Haug. Sie haben nach Unternehmensangaben ein skalierbares Netzwerk aufgebaut, das Gesundheitsdienstleister mit Forschungs- und Pharmapartnern verbindet. Aktuell arbeitet das Startup an der Skalierung von Produkt und Partnerschaften. Zu Finanzierung und Investoren liegen keine belegten Angaben vor.
Der Kern des Produkts: Ein großer Teil medizinischer Aufzeichnungen liegt als unstrukturierter Text vor, etwa in Arztbriefen und Befunden. MPIRIQ überführt diese Einträge mit KI in standardisierte Datensätze. Dazu gehören automatisierte Strukturierung, Re-Identifizierung – also das kontrollierte Wiederherstellen eines Personenbezugs, wo er rechtlich zulässig ist – und regelkonformer Datenaustausch. Auf der Unternehmensseite werden Produkte wie ein Dokumentenassistent, ein Patientennavigator und ein Trial Navigator für den Abgleich von Patienten mit Studien genannt.
Auf der Forschungsseite stehen Pharma- und Studienpartner. Real-World-Daten, also Daten aus dem Versorgungsalltag statt aus kontrollierten Studien, sollen Screening und die Identifikation geeigneter Studienteilnehmer beschleunigen. Das Versprechen an die Praxen: weniger Dokumentationsaufwand. Das Versprechen an die Forschung: präzisere Studienplanung und schnellere Erkenntnisse.
Einordnung
Die Rekrutierung von Studienteilnehmern gilt als Engpass klinischer Forschung, Praxisdaten sind dafür eine bislang wenig erschlossene Quelle. 25 Praxen sind ein Anfang, aber noch kein Netzwerk, das Pharmapartner flächendeckend nutzen können. Entscheidend wird sein, ob Datenschutz und Einwilligungsmodell Ärztinnen, Ärzte und Patienten überzeugen und ob sich die Dokumentationsentlastung im Praxisalltag tatsächlich zeigt.











