Eine gezielte abendliche Gabe von Metyrapon könnte Menschen mit milder autonomer Kortisolsekretion (MACS) helfen. Zwei aktuelle, offene Studien aus Wien und Rochester zeigen Verbesserungen bei Leberfett, einzelnen Stoffwechselmarkern, Schlaf und depressiven Symptomen – liefern wegen kleiner Fallzahlen und fehlender Kontrollgruppen aber noch keinen Wirksamkeitsnachweis.
MACS tritt bei gutartigen Nebennierentumoren auf, die häufig zufällig in einer Bildgebung entdeckt werden. Betroffene haben keine typischen Zeichen eines ausgeprägten Cushing-Syndroms, produzieren jedoch zu viel Kortisol. Die Diagnose wird unter anderem gestellt, wenn der Kortisolwert nach einem Dexamethason-Hemmtest über 1,8 Mikrogramm pro Deziliter liegt. Damit verbunden sind häufiger Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Osteoporose.
In einer Machbarkeitsstudie der Medizinischen Universität Wien erhielten 19 Teilnehmende zwölf Wochen lang 500 Milligramm Metyrapon um 18 Uhr und weitere 250 Milligramm um 22 Uhr. 15 Personen gingen in die finale Auswertung ein. Der mittels Magnetresonanzverfahren gemessene Leberfettanteil sank im Median von 3,85 auf 1,92 Prozent. Auch Nüchterninsulin, C-Peptid und zwei Entzündungsmarker verbesserten sich statistisch signifikant. Die Blutdrucksenkung erreichte dagegen keine statistische Signifikanz.
Eine Phase-2-Studie der Mayo Clinic untersuchte 28 Erwachsene über sechs Monate. Die Dosis begann bei 250 Milligramm zur Nacht und konnte schrittweise bis auf 1.000 Milligramm erhöht werden. Der primäre Endpunkt war die Sicherheit. Es traten nur leichte bis mäßige unerwünschte Ereignisse auf; am häufigsten waren Schwindel, Müdigkeit und Übelkeit. Eine Person brach die Therapie nach drei Monaten ab, Fälle von Nebenniereninsuffizienz wurden nicht beobachtet.
Bei Blutdruck, HbA1c, Body-Mass-Index und Non-HDL-Cholesterin zeigte die Studie insgesamt keine signifikanten Veränderungen. Verbessert waren jedoch die selbst berichtete Schlafqualität und depressive Symptome. Der Anteil mit schlechter Schlafqualität sank von 57 auf 23 Prozent. Ein allgemeiner Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität veränderte sich nicht.
Der Ansatz ist für die Versorgung vor allem deshalb relevant, weil bei einseitigen Befunden mit Begleiterkrankungen eine Operation erwogen werden kann, bei beidseitigen Veränderungen jedoch eine praktikable medikamentöse Option fehlt. Das kurzwirksame Metyrapon hemmt die Kortisolsynthese. Die Einnahme am Abend soll den krankhaft erhöhten nächtlichen Kortisolspiegel dämpfen, ohne die morgendliche Versorgung unnötig zu unterdrücken.
Für den Markt bedeutet das zunächst eine mögliche neue Anwendung eines bekannten Wirkstoffs, keine unmittelbar breite Therapieoption. Nötig sind randomisierte, kontrollierte Studien mit größeren Gruppen, längerer Nachbeobachtung und klinisch relevanten Endpunkten wie Diabeteskontrolle, Herz-Kreislauf-Ereignissen und Knochenbrüchen. Auch Dosierung und erforderliches Hormonmonitoring müssen standardisiert werden.
Einordnung: Die Ergebnisse sind ein plausibles Signal, dass eine zeitlich präzise Hemmung der Kortisolproduktion mehr als Laborwerte verändern kann. Bis belastbare Vergleichsdaten vorliegen, gehört Metyrapon bei MACS jedoch in erfahrene endokrinologische Zentren und nicht in die Routineversorgung.











