In einer Phase-1-Studie von Bristol Myers Squibb (BMS) zur CAR-T-Therapie Zolacabtagene autoleucel, kurz Zola-cel, ist ein Patient 44 Tage nach der Infusion gestorben. Todesursache war eine septische Pneumonie nach einer hoch dosierten immunsuppressiven Behandlung; ob die Zelltherapie den Tod verursacht oder mitverursacht hat, ist bislang nicht geklärt.
Der Patient mit hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose entwickelte verzögert motorische Symptome, die nach Unternehmensangaben nicht dem bekannten neurologischen CAR-T-Syndrom ICANS entsprachen. Kortikosteroide und intravenöse Immunglobuline brachten keine Besserung. Nach der anschließenden Gabe des starken Immunsuppressivums Cyclophosphamid entstand eine septische Lungenentzündung, an der der Patient am folgenden Tag starb.
Die offene Breakfree-2-Studie umfasst 66 schwer erkrankte Menschen: 30 mit hochaktiver schubförmiger und 36 mit progressiver Multipler Sklerose. Zola-cel richtet gentechnisch veränderte körpereigene T-Zellen gegen das Oberflächenprotein CD19 auf B-Zellen. Nach Entnahme und einem fünftägigen Herstellungsprozess werden die Zellen nach vorbereitender Lymphozyten-Depletion einmalig infundiert. Ziel ist ein weitgehendes Zurücksetzen des fehlgeleiteten Immunsystems.
Bei 42,4 Prozent der Teilnehmenden trat ein Zytokinfreisetzungssyndrom auf, überwiegend leicht. ICANS wurde bei 7,6 Prozent beobachtet und klang meist innerhalb von zwei Tagen ab. Ein Ereignis des Schweregrads 4 bei progressiver MS wurde mit Kortikosteroiden und Anakinra behandelt und löste sich innerhalb von vier Tagen. In den bisher 190 behandelten Personen der frühen Autoimmunprogramme meldete BMS keinen weiteren Todesfall.
Gleichzeitig zeigen die vorläufigen Daten mögliche Wirksamkeit. Alle 60 Personen der zweiten Dosisstufe benötigten zum letzten Beobachtungszeitpunkt keine krankheitsmodifizierende Therapie; bei neun dauerte die Nachbeobachtung länger als zwölf Monate. Sechs von sieben auswertbaren Patienten mit schubförmiger MS zeigten nach mindestens 26 Wochen keine neue Krankheitsaktivität. Bei progressiver MS blieben 22 von 24 auswertbaren Personen stabil oder verbesserten sich. Wegen der kleinen Fallzahlen, fehlender Kontrollgruppe und kurzen Beobachtung erlauben diese Werte noch keinen Wirksamkeitsnachweis.
BMS hatte die Rekrutierung in seinen Zola-cel-Studien zu Autoimmunerkrankungen bereits zuvor freiwillig pausiert, nachdem vorübergehende entzündliche Ereignisse aufgefallen waren. Das Unternehmen bezeichnet den Todesfall als unabhängig von dieser Entscheidung und arbeitet mit der US-Arzneimittelbehörde an einer Wiederaufnahme; neue Aufnahmen werden für Anfang 2027 angestrebt. Der Wettbewerber Novartis stoppte im August acht Autoimmunstudien mit einer anderen CD19-CAR-T-Therapie nach drei Todesfällen infolge einer schweren Immunüberreaktion.
Einordnung: Eine einmalige Zelltherapie könnte chronische Immunsuppression ersetzen, doch bei nicht unmittelbar lebensbedrohlichen Erkrankungen liegt die akzeptable Risikoschwelle besonders niedrig. Für den Markt entscheidet deshalb nicht allein die Remissionsdauer, sondern ob Herstellungsprozess, Patientenauswahl und Nachsorge schwere Immun- und Infektionskomplikationen verlässlich begrenzen.











