Health-Tech

Heidi II: KI-Assistent erledigt Verwaltungsaufgaben nach der Sprechstunde

Das australische Startup erweitert seinen Dokumentations-Scribe um Agenten, die Überweisungen und Nachverfolgung vorbereiten; in der EU ist das Produkt nicht verfügbar.

By Christian KloewerPosted 29. September 2026

Das australische KI-Startup Heidi hat am 29. September 2026 Heidi II vorgestellt, eine erweiterte Version seines klinischen Assistenten, der nicht mehr nur Konsultationen dokumentiert, sondern auch Verwaltungsaufgaben danach übernimmt. Nach Berichten von Fierce Healthcare und IT Brief (übersetzt) erkennt die Software offene Zusagen aus Gesprächen und bereitet Überweisungsschreiben, Formulare und Erinnerungen vor. In Großbritannien und der EU ist die neue Funktionalität nach Angaben der Startmeldung nicht verfügbar.

Heidi II besteht aus mehreren Bausteinen. Agenten arbeiten nach Unternehmensangaben mit bestehender Praxis- und Klinik-Software, auch über Portale, indem sie die Bedienung per Tastatur und Maus übernehmen. Wiederkehrende Abläufe lassen sich als „Routinen“ speichern, zum Beispiel die tägliche Durchsicht aller Besuche auf unerledigte Zusagen mit automatisch erstellten Entwürfen für die Nachverfolgung. Hinzu kommen ein „Memory“, das Vorlieben einzelner Ärztinnen und Ärzte speichert, und Antworten auf klinische Fragen mit Quellenangaben. Als Beispiel nennt das Unternehmen die Berechnung eines RegiSCAR-Scores zur Bewertung von Arzneimittelreaktionen, wobei die Behandlungsentscheidung beim Arzt bleibt.

Zur Kontrolle sagt Heidi, das System erledige Routinearbeit unter konfigurierbaren Freigabeschritten, die klinische Beurteilung bleibe beim Behandelnden, und Ärztinnen und Ärzte prüften die Arbeit vor Abschluss. Aufgaben, die fachliche Aufsicht verlangen, werden eskaliert.

Zur Reichweite nennt Heidi 2,8 Millionen Patientenbesuche pro Woche weltweit. Dabei erkenne das System rund 10 Millionen Folgeaufgaben pro Woche. Der Start begann am 29. September in Englisch und Französisch. Es gibt kostenlose und bezahlte Team- und Enterprise-Pläne; Preise für Heidi II wurden nicht genannt.

Kurz zuvor, am 22. September 2026, hatte Heidi eine Finanzierung von 340 Millionen US-Dollar bekannt gegeben: 100 Millionen Dollar Series-C-Eigenkapital unter Führung von Blackbird, dazu 240 Millionen Dollar umsatzbasierte Wachstumsfinanzierung des Customer Value Fund von General Catalyst. Die Bewertung liegt bei 900 Millionen Dollar. Weitere Investoren sind Phoenix Court, Point72 Private Investments und Headline. Mitgründer und CEO ist Tom Kelly. Das Geld soll den Einsatz in Gesundheitssystemen ausbauen und Zulassungs- und Sicherheitskompetenz stärken. Heidi ist in den USA, Kanada, Australien, Neuseeland und Großbritannien aktiv.

Einordnung: Heidi II verschiebt den Markt für KI-Scribes von der Dokumentation zur Aufgabenerledigung, dem Bereich mit dem größeren Zeitgewinn. Für Praxen und Kliniken in Deutschland ist das Produkt vorerst nicht nutzbar; relevant ist es als Maßstab für Anbieter, die ähnliche Funktionen hier unter den Anforderungen von DSGVO und Medizinprodukterecht bauen müssen.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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