Achtsamkeit & Community

Gehmeditation nutzt Neugier als kurze mentale Pause

Shamash Alidina verbindet langsames Gehen mit offener Wahrnehmung und einem bewusst ungewohnten Blick.

By Alice DaviesPosted 30. September 2026

Der Achtsamkeitslehrer Shamash Alidina hat eine Gehmeditation veröffentlicht, die den sogenannten Anfängergeist trainieren soll. Die Übung verbindet langsames Gehen mit bewusster Sinneswahrnehmung und lässt sich ohne App, Kurs oder spezielle Ausrüstung durchführen. Ihr Anspruch ist begrenzt: Gewohnte Umgebung soll für einige Minuten wieder aufmerksam wahrgenommen werden.

Anfängergeist bedeutet dabei nicht, vorhandenes Wissen auszublenden. Gemeint ist eine Haltung, in der vertraute Annahmen kurz ausgesetzt werden. Wer täglich dieselbe Strecke geht, soll beispielsweise Farben, Geräusche, Oberflächen oder Bewegungen beobachten, die sonst durch automatische Wahrnehmung ausgefiltert werden.

Alidina empfiehlt zunächst einen sicheren Weg. Beim Hören über Kopfhörer sollte die Lautstärke niedrig genug bleiben, um Verkehr und andere Umgebungsgeräusche wahrzunehmen. Die Übung beginnt im Stehen: Füße am Boden spüren, Haltung registrieren und einmal bewusst atmen. Danach folgt ein etwas langsameres Gehtempo.

Der Fokus wandert zunächst zu den Füßen und dem Wechsel aus Anheben, Vorwärtsbewegung und Aufsetzen. Anschließend sollen drei bislang unbeachtete Details gefunden werden. Das kann ein Riss im Pflaster, eine ungewöhnliche Form oder ein leises Hintergrundgeräusch sein. Im nächsten Schritt wird versucht, Dinge wahrzunehmen, ohne sie sofort sprachlich zu benennen.

Auch Langeweile und Ungeduld gehören ausdrücklich zur Praxis. Statt sie als Scheitern zu bewerten, werden sie als weitere mentale Ereignisse registriert. Der Satz „Ich kenne diesen Ort bereits“ wird damit nicht widerlegt, sondern als automatischer Gedanke erkannt.

Alidina praktiziert nach eigenen Angaben seit 1998 Achtsamkeit und unterrichtet seit 2010 hauptberuflich. Er ist unter anderem Autor von Mindfulness For Dummies und The Mindful Way Through Stress. Sein Ansatz übersetzt Meditationsprinzipien in niedrigschwellige Alltagsübungen.

Die Forschung zu Achtsamkeit zeigt mögliche Effekte auf Stress, Angst und Wohlbefinden, liefert aber je nach Methode, Zielgruppe und Studienqualität unterschiedliche Ergebnisse. Aus der Evidenz für strukturierte Achtsamkeitsprogramme lässt sich nicht automatisch eine therapeutische Wirkung dieser einzelnen Gehübung ableiten. Für Menschen mit psychischen Erkrankungen ersetzt sie weder Diagnostik noch Behandlung.

Praxis: Wählen Sie einen sicheren Weg, gehen Sie etwas langsamer als gewohnt und richten Sie die Aufmerksamkeit nacheinander auf Füße, Sehen und Hören. Suchen Sie drei neue Details und beenden Sie die Übung, wenn Unsicherheit, Überforderung oder Ablenkung im Straßenverkehr entsteht.

Einordnung: Die Gehmeditation ist vor allem als kurze Unterbrechung automatischer Routinen plausibel. Ihr Nutzen liegt in der einfachen Umsetzung und geringen Zugangsschwelle, nicht in einem belegten Heilversprechen.

Alice Davies

Alice Davies

Achtsamkeit & Community

Alice Davies schreibt bei MIDO Health über Resort-Communities, Wellbeing und Achtsamkeit. Sie sucht nach praktischen Wegen, mit mehr Balance und Verbindung zu leben, im Klinikalltag wie außerhalb.

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