Longevity wird vom Lifestyle-Begriff zum Markt für digitale Prävention, Arbeitgeberleistungen und klinische KI. Beim Sifted Summit in London diskutieren am 1. Oktober Reeva Misra von WONE, Mridula Pore von Peppy Health und Andreas Cleve von Corti, wie sich das Versprechen eines längeren gesunden Lebens in tragfähige Angebote übersetzen lässt.
Die drei Unternehmen stehen für unterschiedliche Zugänge. WONE, ausgeschrieben Walking on Earth, richtet sich an Arbeitgeber und will Stressresilienz messbar machen. Die Plattform bündelt nach eigenen Angaben mehr als 100 physiologische, psychologische und verhaltensbezogene Signale in einem Index und kombiniert die Auswertung mit KI-Coaching sowie von Fachleuten entwickelten Inhalten. Das Geschäftsmodell liegt damit zwischen betrieblichem Gesundheitsmanagement und datenbasierter Prävention.
Peppy Health bietet ebenfalls arbeitgeberfinanzierte Versorgung, setzt aber auf direkten Zugang zu klinischem Fachpersonal. Beschäftigte nutzen eine App für vertrauliche Unterstützung bei Frauengesundheit, Männergesundheit, Fertilität, Schwangerschaft, Elternschaft und Menopause. Das 2018 in London gegründete Unternehmen wird von Mitgründerin Dr. Mridula Pore geführt. Peppy meldete für seine Series-B-Runde 45 Millionen US-Dollar; das Kapital sollte die Expansion in Großbritannien und den USA finanzieren.
Corti adressiert dagegen die Infrastruktur professioneller Versorgung. Das von Andreas Cleve und Lars Maaløe gegründete Unternehmen entwickelt auf klinische Anwendungen zugeschnittene KI-Modelle für medizinische Gespräche, Dokumentation und Kodierung. Eine Series-B-Finanzierung brachte 2023 nach Unternehmensangaben 60 Millionen US-Dollar ein. Corti positioniert Longevity damit nicht als eigenes Konsumprodukt, sondern als mögliches Ergebnis effizienterer und konsistenterer Versorgung.
Für den Markt ist gerade diese Spannweite relevant. Der Begriff Longevity umfasst heute Angebote von Körperscans und privat bezahlten Kliniken bis zu Software, die Risikosignale früher erkennen oder medizinisches Personal entlasten soll. Entscheidend ist, ob ein Produkt lediglich mehr Gesundheitsdaten erzeugt oder daraus nachweisbar bessere Entscheidungen und Versorgung entstehen.
Die Diskussion dürfte deshalb auch die Grenze zwischen Wellness und Medizin berühren. Sobald Anbieter Diagnosen, Therapieentscheidungen oder konkrete Risikoprognosen beeinflussen, steigen Anforderungen an Evidenz, Datenschutz und Regulierung. Arbeitgebermodelle werfen zusätzlich Fragen zur Freiwilligkeit und zur Trennung individueller Gesundheitsdaten von Unternehmensauswertungen auf.
Service: „The business of living better for longer“, 1. Oktober 2026, 15:20 bis 15:50 Uhr, Main Stage. Sifted Summit, Protein Studios Shoreditch, 31 New Inn Yard, London EC2A 3EY. Der Summit läuft am 30. September und 1. Oktober.
Einordnung: Longevity wird wirtschaftlich relevant, wenn Prävention, klinische Qualität und ein klarer Kostenträger zusammenkommen. Die drei Modelle zeigen zugleich, dass der Markt noch keine einheitliche Produktkategorie ist, sondern sehr verschiedene Versorgungs- und Datenlogiken bündelt.











