Digital Health

US-Zollverfahren könnte privaten Arzneiimport verteuern

Abgeordnete fordern eine Überprüfung der neuen Einfuhrregeln für Medikamente aus Kanada und anderen Ländern.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 29. September 2026

Ein neues US-Zollverfahren für internationale Postsendungen könnte den privaten Bezug verschreibungspflichtiger Medikamente aus Kanada und anderen Ländern deutlich erschweren. Abgeordnete im US-Kongress drängen die Regierung von Präsident Donald Trump deshalb, die Vorgaben zu überdenken. Betroffen sind Patienten, die Medikamente im Ausland bestellen, um hohe US-Preise zu umgehen.

Ausgangspunkt ist der neue elektronische Einfuhrtyp 13 der Zollbehörde U.S. Customs and Border Protection (CBP). Der Testbetrieb läuft seit dem 22. September 2026 und betrifft internationale Postsendungen mit einem Wert von höchstens 2.500 US-Dollar. Er folgt auf die Aussetzung der zollfreien De-minimis-Regelung für niedrigwertige Postsendungen.

Für eine elektronische Anmeldung im Automated Commercial Environment, dem zentralen US-Zollsystem, muss der Eigentümer oder Käufer der Ware selbst als Importeur auftreten oder einen zugelassenen Zollbroker beauftragen. Zusätzlich verlangt CBP eine Einfuhrsicherheit, entweder für eine einzelne Transaktion oder als fortlaufende Bürgschaft. Übermittelt werden müssen unter anderem Warenbeschreibung, Ursprungsland, zehnstellige Zolltarifnummer, Wert, Abgaben, Transporteur, Sendungsnummer und Ankunftshafen.

Für gewöhnliche Konsumgüter soll das Verfahren Abgaben sichern und die automatisierte Kontrolle verbessern. Bei einzelnen Medikamentensendungen treffen die Fixkosten und administrativen Anforderungen jedoch auf kleine Warenwerte. Dadurch kann ein Preisvorteil gegenüber dem US-Markt schrumpfen oder vollständig entfallen. Internationale Apotheken und Logistikdienstleister müssten zudem Prozesse für Zolltarifierung, Broker-Vollmachten und die regulatorischen Daten der Arzneimittel aufbauen.

Die Änderung schafft keinen neuen Rechtsanspruch auf private Arzneiimporte. Nach Angaben der Arzneimittelbehörde FDA ist die Einfuhr ausländischer Medikamente für US-Bürger in den meisten Fällen illegal, wenn die Produkte in den USA nicht zugelassen sind. Die Behörde kann in begrenzten Fällen von der Durchsetzung absehen, etwa bei einer schweren Erkrankung ohne verfügbare Behandlung in den USA, einem vertretbaren Risiko und einer Menge von üblicherweise höchstens drei Monatsrationen.

Davon zu unterscheiden ist das Importprogramm nach Abschnitt 804 des US-Arzneimittelgesetzes. Es erlaubt Bundesstaaten und indigenen Gebietskörperschaften, nach vorheriger FDA-Genehmigung bestimmte Arzneimittel aus Kanada einzuführen, wenn Kosten sinken und keine zusätzlichen Gesundheitsrisiken entstehen. Dieses institutionelle Verfahren ersetzt nicht die individuelle Bestellung bei einer Auslandsapotheke.

CBP nimmt während des Tests fortlaufend Stellungnahmen per E-Mail entgegen. Die Behörde kann den Test anschließend ändern, begrenzen, beenden oder in ein dauerhaftes Verfahren überführen.

Einordnung: Die Debatte zeigt, dass Arzneimittelzugang nicht nur von Zulassung und Preis abhängt, sondern auch von unscheinbarer Zollinfrastruktur. Für digitale Auslandsapotheken entsteht ein Compliance- und Kostenrisiko; für Patienten kann eine bislang geduldete Sparoption faktisch unbrauchbar werden, obwohl die rechtliche Grauzone unverändert bleibt.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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