Health-Tech

EIB finanziert Reactive Technologies mit 19 Millionen Euro

Das britisch-finnische DeepTech-Unternehmen soll seine Netzdiagnostik GridVerix in Europa ausbauen.

By Christian KloewerPosted 29. September 2026

Die Europäische Investitionsbank (EIB) stellt Reactive Technologies 19 Millionen Euro Venture Debt bereit. Nach Angaben der EIB vom 23. September 2026 sollen davon bis zu sieben Millionen Euro in Forschung und Entwicklung am Standort Oulu in Finnland fließen; weitere zwölf Millionen Euro sind für den Einsatz der Technologie in der Europäischen Union vorgesehen.

Reactive Technologies entwickelt Mess- und Analysesysteme für Stromnetze. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in London und betreibt nach EIB-Angaben ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Oulu sowie kommerzielle Standorte in den USA, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Australien. Die Finanzierung ist durch InvestEU unterstützt und Teil der TechEU-Initiative der EIB-Gruppe.

Im Zentrum steht die Plattform GridVerix. Sie soll Netzbetreibern in Echtzeit Informationen über Stabilitätsgrößen wie Trägheit, Netzstärke und Spannungsstabilität liefern. Trägheit bezeichnet dabei vereinfacht die in rotierenden Generatoren gespeicherte kinetische Energie, die kurzfristige Störungen im Stromsystem abfedern kann. Mit dem steigenden Anteil von Wind- und Solarstrom verändert sich diese Eigenschaft des Netzes.

Die EIB beschreibt das Projekt deshalb nicht nur als Softwareinvestition, sondern als Beitrag zur europäischen Netzinfrastruktur. Auf ihrer Projektseite nennt sie für das Vorhaben Gesamtkosten von rund 40 Millionen Euro und einen Finanzierungsbetrag von 19 Millionen Euro; der Vertrag wurde laut EIB am 6. August 2026 unterzeichnet.

Reactive Technologies verfolgt ein Data-as-a-Service-Modell: Netzbetreiber, Versorger und Anlagenbetreiber erhalten Messdaten und Analysen, ohne die zugrunde liegende Messtechnik selbst als klassisches Produkt kaufen zu müssen. Das Unternehmen nennt auf seiner eigenen Website mehr als 250 erteilte Patente weltweit. Solche Angaben sind für die technologische Positionierung relevant, sagen aber noch nichts darüber aus, wie stark sich GridVerix im europäischen Markt durchsetzen wird.

Für den Gesundheitssektor ist die Finanzierung vor allem indirekt relevant. Kliniken, Rechenzentren und digitalisierte Versorgungsstrukturen sind auf belastbare Strom- und Dateninfrastrukturen angewiesen. Die EIB nennt ausdrücklich große Verbraucher wie Rechenzentren als einen Treiber für die wachsende Komplexität der Netze. Ob die Technologie tatsächlich Ausfälle reduziert, den Netzausbau vermeidet oder zusätzliche Anschlüsse beschleunigt, muss sich im breiteren Einsatz zeigen.

Einordnung: Die Transaktion zeigt, dass europäische DeepTech-Finanzierung zunehmend auch die Infrastruktur hinter Digitalisierung und Elektrifizierung adressiert. Für Health-Tech-Unternehmen ist das kein unmittelbarer Versorgungsbaustein, aber ein Beispiel dafür, wie öffentliche Finanzierung technische Grundlagen stärkt, auf denen digitale Gesundheitsangebote mit aufbauen.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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