Artem oral care hat in „Die Höhle der Löwen“ keinen Deal erhalten. Das Berliner Zahnpflege-Startup von Diana zur Löwen und Rebecca Linneweber will dennoch weiter wachsen: Nach Angaben von zur Löwen ist inzwischen ein nicht genannter Investor eingestiegen, ab Oktober soll ein neues Teammitglied das Performance-Marketing verstärken.
Im TV verlangten die Gründerinnen 300.000 Euro für zehn Prozent der Anteile. Daraus ergab sich rechnerisch eine Bewertung von drei Millionen Euro nach Investment. Die Löwen bewerteten diese Forderung trotz positiven Produkttests als zu hoch. Ein Gegenangebot über 400.000 Euro für 20 Prozent, entsprechend zwei Millionen Euro nach Investment, führte ebenfalls nicht zum Abschluss.
Für die Bewertung lagen erste operative Zahlen vor. Artem erzielte nach eigenen Angaben mit zunächst einem Produkt rund 196.000 Euro Umsatz in sechs Monaten. Bei Produktionschargen von jeweils 1.000 Einheiten nannte das Team Stückkosten von 3,95 Euro für Sensitive White und 3,85 Euro für Sensitive Protect. Umsatz, Marge und Wiederkaufsrate wurden jedoch nicht gemeinsam offengelegt. Damit blieb unklar, wie belastbar die geforderte Bewertung aus Sicht eines Investors war.
Das 2025 gegründete Unternehmen positioniert Zahnpflege als „Oral Skincare“. Sensitive White enthält laut Produktseite unter anderem Nano-Hydroxylapatit sowie Enzyme aus Papaya und Ananas und ist fluoridfrei. Sensitive Protect kombiniert Nano-Hydroxylapatit, Arginin und 1.450 ppm Fluorid. Die Bundeszahnärztekammer bezeichnet fluoridhaltige Zahnpasta als wirksamen Kariesschutz. Der wissenschaftliche Ausschuss der EU-Kommission bewertet bestimmte Formen von Nano-Hydroxylapatit in Zahnpasta bis zu einer Konzentration von 29,5 Prozent als sicher; diese Sicherheitsbewertung ist jedoch kein Wirksamkeitsnachweis für ein konkretes Produkt.
Im eigenen Shop kostet Sensitive White derzeit 19,90 Euro, Sensitive Protect 17,90 Euro. Das zeitlich begrenzte „Löwen-Bundle“ mit beiden Zahnpasten, Zungenschaber und Tasche bietet Artem für 34,90 Euro an. Zur Löwen sagte Gründerszene, das Unternehmen habe bereits eine fünfstellige Kundenzahl erreicht. 2027 soll der Schritt in Drogerien und den Einzelhandel folgen; für diesen Kanal wurden in der Sendung Bruttopreise von 7,90 beziehungsweise 8,90 Euro genannt.
Der geplante Handelspreis liegt damit deutlich unter dem Direktvertrieb. Artem muss folglich entweder Packungsgröße, Rezeptur, Vertriebskonditionen oder Marge anpassen. Gleichzeitig kann der stationäre Handel Reichweite schaffen, erhöht aber den Kapitalbedarf für Produktion, Listung und Warenbestand.
Einordnung
Die DHDL-Absage ist für Artem weniger ein Produkturteil als ein Bewertungs- und Vertriebssignal. Entscheidend wird, ob das Startup seine TV-Reichweite in wiederkehrende Käufe übersetzt und den niedrigeren Handelspreis wirtschaftlich darstellen kann. Der neue Investor verschafft dafür Spielraum, bleibt ohne Namen und Finanzierungsdetails aber vorerst nicht einzuordnen.











