Health-Tech

Manna skaliert Drohnenlieferungen in Tulsa – Medizin bleibt ein Testfeld

Der Ausbau in Oklahoma zeigt das Potenzial kurzer Lieferwege, aber noch keinen klinischen Regelbetrieb.

By Christian KloewerPosted 29. September 2026

Der irische Drohnenanbieter Manna baut seinen US-Betrieb in Tulsa, Oklahoma, aus. Für das Gesundheitswesen ist das Unternehmen interessant, weil es auch Apothekenartikel und medizinisches Material transportieren will. Ob daraus eine verlässliche Versorgungslogistik für Kliniken wird, ist allerdings noch offen.

Manna kündigte am 8. Juli 2026 Tulsa als operative Basis in den USA an. Dort sollen in den nächsten drei Jahren nach Unternehmensangaben mehr als 1.000 Arbeitsplätze in Flugbetrieb, Fertigung und weiteren Bereichen entstehen. Das Unternehmen beziffert seine bis dahin weltweit ausgeführten Lieferungen auf knapp 380.000. Der globale Hauptsitz sowie Forschung und Entwicklung bleiben laut Manna in Irland; die Expansion ist keine Verlegung des Firmensitzes.

Die Finanzierung steht: Im April meldete Gründer und Geschäftsführer Bobby Healy eine Series-B-Runde über 50 Millionen US-Dollar und eine Gesamtfinanzierung von 110 Millionen Dollar. Das Geld soll den Ausbau autonomer Luftlieferungen in den USA und Europa tragen. Für Kapitalgeber ist Tulsa damit ein Test, ob viele kurze Flüge zu einem wiederholbaren lokalen Geschäft werden.

Im Juni kündigte Manna zugleich eine Pause seines Lieferbetriebs in Dublin und Cork an. Als Grund nannte das Unternehmen fehlende landesweit klare Vorgaben für Genehmigungen und Infrastruktur. Das unterstreicht, dass der Engpass nicht allein bei der Flugtechnik liegt: Für einen Regelbetrieb müssen Standorte, Sicherheit und Zuständigkeiten über einzelne Pilotprojekte hinaus funktionieren.

Der medizinische Einsatz ist bislang deutlich kleiner als das allgemeine Liefergeschäft. Im März wurde eine Zusammenarbeit mit dem Rotunda Hospital in Dublin bekannt, die dringende Transporte medizinischer Güter per Drohne erproben sollte. Manna berichtet zudem von einem Versuch mit dem irischen Rettungsdienst, bei dem ein Defibrillator nach drei Minuten und 42 Sekunden an einem Einsatzort ankam. Ein solcher Einzelversuch belegt noch keine klinische Wirkung oder flächendeckende Einsatzfähigkeit.

In Tulsa nennt Manna Lebensmittel, Waren des täglichen Bedarfs und Apothekenartikel als mögliche Fracht. Die eigene Angabe zur Nutzlast liegt bei vier Kilogramm. Für Krankenhäuser wären darüber hinaus dokumentierte Transportbedingungen, Übergaben und die Eignung empfindlicher Güter zu prüfen. Eine veröffentlichte klinische Leistungsbewertung des Tulsa-Betriebs liegt in den herangezogenen Angaben nicht vor.

Einordnung: Manna zeigt, wie ein kommerzielles Zustellnetz auch Gesundheitsgüter aufnehmen könnte. Für die Versorgung zählt künftig weniger die Flugminute als der Nachweis, dass dringende Sendungen sicher, zuverlässig und wirtschaftlich am richtigen Ort ankommen.

Christian Kloewer

Christian Kloewer

Tech & Startups

Christian Kloewer schreibt bei MIDO Health über Health-Tech, Startups und Finanzierungen. Er kommt aus der Kommunikation und dem Digitalgeschäft und liest Gründungen im Gesundheitswesen mit dem Blick des Machers: Was löst das Produkt, wer bezahlt dafür, und trägt das Modell?

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