Eine private Krankenversicherung schützt in den USA viele Menschen nicht vor Medizinschulden. 32 Prozent der kontinuierlich privat versicherten Erwachsenen im Erwerbsalter zahlen offene medizinische Rechnungen oder daraus entstandene Schulden über längere Zeit ab. Das zeigt eine am 17. September 2026 veröffentlichte, national repräsentative Erhebung.
Versichert, aber finanziell exponiert
Für die Untersuchung wurden zwischen dem 22. Juli und 27. Oktober 2025 insgesamt 6.353 Menschen im Alter von 19 bis 64 Jahren telefonisch oder online befragt. Die Auswertung konzentriert sich auf 4.121 Personen, die seit mindestens zwölf Monaten durchgehend über einen Arbeitgeber, den Marktplatz des Affordable Care Act oder den individuellen Markt privat versichert waren. Ergänzend fanden acht Online-Fokusgruppen mit 45 Teilnehmenden statt.
46 Prozent der Befragten mit Medizinschulden meldeten mindestens 2.000 US-Dollar offene Beträge, 19 Prozent mehr als 5.000 US-Dollar. 36 Prozent aller privat Versicherten hätten eine unerwartete medizinische Rechnung über 1.000 US-Dollar nicht innerhalb von 30 Tagen bezahlen können.
Kliniken sind die häufigste Quelle
64 Prozent der Betroffenen führten ihre Schulden auf Klinikleistungen zurück. Dazu zählten Notaufnahme, ambulante Klinikbehandlung und stationäre Versorgung. Doch auch regelhafte Versorgung erzeugt offene Beträge: 43 Prozent nannten Arztbesuche, 38 Prozent Labor- oder Diagnostikleistungen und 25 Prozent Zahnbehandlungen. Mehrfachnennungen waren möglich.
Die Fokusgruppen zeigen zudem ein Prozessproblem. Teilnehmende berichteten von ärztlich empfohlenen Leistungen, die Versicherer nachträglich ablehnten, sowie von mehreren kleineren Rechnungen, die sich über die Zeit summierten. Das ist für Versicherer und Leistungserbringer relevant: Kosteninformationen, Leistungsprüfung und Patientenkommunikation greifen offenbar nicht zuverlässig ineinander.
Folgen für Versorgung und Finanzierung
68 Prozent der Menschen mit offenen Rechnungen berichteten von Sorge oder Angst. 37 Prozent verbrauchten Ersparnisse, 30 Prozent schränkten grundlegende Ausgaben ein und ebenso viele verschoben oder vermieden notwendige Versorgung. 78 Prozent zahlten direkt an Leistungserbringer; rund ein Viertel bediente Forderungen von Inkassounternehmen. Bei einem Viertel waren offene Beträge an eine Auskunftei gemeldet worden.
Einordnung
Die Daten zeigen kein Randproblem unversicherter Haushalte, sondern eine Finanzierungslücke innerhalb bestehender Versicherungsverhältnisse. Für den Markt liegt der Handlungsbedarf damit nicht allein im Versicherungsschutz, sondern auch bei Selbstbehalten, Genehmigungsprozessen, transparenten Rechnungen und früh zugänglichen Hilfs- oder zinsfreien Zahlungsangeboten.











