Brandenburg plant an der Medizinischen Universität Lausitz – Carl Thiem einen generalistischen Pflege-Master mit drei Vertiefungen: erweiterte Pflegepraxis, Notfallversorgung und Community Health Nursing. Der Studiengang soll frühestens zum Wintersemester 2028/2029 starten und auf dem Bachelor Pflegewissenschaft der BTU Cottbus-Senftenberg aufbauen.
Community Health Nurses sind akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen, die in Gemeinden Prävention, Beratung und die kontinuierliche Betreuung chronisch kranker oder pflegebedürftiger Menschen übernehmen. Sie sollen ärztliche Versorgung nicht ersetzen, sondern Hausarztpraxen ergänzen, Risiken früh erkennen und Patienten durch ein oft fragmentiertes System begleiten.
Die Lausitz eignet sich als Modellregion: Eine alternde Bevölkerung, weite Wege und Fachkräftemangel treffen dort auf den Aufbau einer neuen Universitätsmedizin. Anders als bestehende Masterangebote will die MUL-CT die Rollen Advanced Practice Nursing und Community Health Nursing nicht getrennt entwickeln, sondern mit Notfallpflege in einem Studiengang verbinden. Im zweiten Studienjahr soll die Spezialisierung erfolgen; nach dem Studienstart ist auch eine Promotionsmöglichkeit vorgesehen.
Der Qualifizierungsbedarf ist groß. Der Wissenschaftsrat empfiehlt für die Pflege eine Akademisierungsquote von 20 Prozent, aktuell liegt sie nach Angaben des Landes bei 2,5 Prozent. Ein Masterprogramm allein löst den Personalmangel daher nicht. Es kann aber klar definierte, höher qualifizierte Rollen schaffen und den Übergang von Modellprojekten in reguläre Versorgung vorbereiten.
Erste praktische Erfahrungen gibt es bereits. Im Spremberger Ortsteil Schwarze Pumpe arbeiten zwei Community Health Nurses im Forschungsprojekt ReGuLa in der interprofessionellen Primärversorgung. Das Projekt der MUL-CT und der Evangelischen Hochschule Dresden untersucht Wirksamkeit und Übertragbarkeit; erste belastbare Ergebnisse werden 2027 erwartet. In Luckau besteht seit 2024 eine Gemeindegesundheitspflege, seit September 2026 ergänzt ein Gesundheitsbus das Angebot in den Ortsteilen.
Eine digitale Infrastruktur soll die Arbeit unterstützen. In der Modellregion entsteht ein Gesundheitsnetzwerk, über das Pflegefachpersonen fachärztlichen, pharmazeutischen und pflegerischen Rat einholen können. Damit solche Modelle skalieren, braucht es interoperable Dokumentation, sichere Telekonsile und klare Verantwortlichkeiten.
Offen bleibt vor allem die Finanzierung der späteren Leistungen. Ohne definierte Kompetenzen, Vergütungswege und Stellenprofile droht ein akademischer Abschluss, für den der Versorgungsalltag keine passende Rolle bietet. Bund, Land, Kassen und Selbstverwaltung müssen deshalb parallel zum Curriculum die regulatorischen Voraussetzungen klären.
Einordnung: Brandenburg verbindet Hochschulpolitik mit einem konkreten Versorgungsproblem im ländlichen Raum. Entscheidend ist nicht allein, ob der Studiengang startet, sondern ob Absolventen eigenständig handeln können und ihre Leistungen dauerhaft finanziert werden.











