Eine endoskopische Vollwandresektion könnte bei ausgewählten frühen Rektumkarzinomen den Organerhalt ermöglichen. Darauf deuten internationale Studiendaten hin, die auf der UEG Week 2026 in Barcelona vorgestellt wurden. Für fortgeschrittene Tumoren ersetzt das Verfahren die onkologische Operation mit Lymphknotenentfernung jedoch nicht.
Bei der endoskopischen Vollwandresektion wird die Läsion einschließlich aller Schichten der Darmwand entfernt. Ein spezielles System zieht das Zielgewebe ein, verschließt die Darmwand mit einem Clip und trennt anschließend das Gewebe ab. Dadurch erhalten Pathologen ein zusammenhängendes Präparat, an dem Resektionsränder, Eindringtiefe und weitere Risikomerkmale beurteilt werden können.
Das unterscheidet den Ansatz von oberflächlicheren Verfahren. Besonders interessant ist er bei kleinen, nicht anhebbaren, narbig veränderten oder bereits unvollständig entfernten Läsionen. Eine lokale Behandlung kann größere Bauchschnitte, einen vorübergehenden oder dauerhaften künstlichen Darmausgang sowie funktionelle Folgen für Kontinenz, Blase und Sexualität vermeiden.
Entscheidend bleibt die Tumorbiologie. Bei frühen T1-Tumoren ohne ungünstige Merkmale kann eine vollständige lokale Entfernung ausreichend sein. Eine niederländische Registeranalyse mit 330 Eingriffen berichtete einen technischen Erfolg von 87 Prozent und tumorfreie Ränder bei 85,6 Prozent; schwere unerwünschte Ereignisse traten bei 2,2 Prozent auf. Diese Daten betreffen kleine T1-Karzinome und lassen sich nicht pauschal auf weiter fortgeschrittene Stadien übertragen.
Bei T2-Tumoren ist der Krebs bereits in die Muskelschicht eingedrungen. In dieser Gruppe finden sich in etwa 20 bis 25 Prozent der Operationspräparate Lymphknotenmetastasen. Da eine endoskopische Resektion keine Lymphknoten entfernt, bleibt die chirurgische Rektumresektion mit systematischer Lymphknotendissektion der Standard. Ungünstige Histologie, Lymph- oder Gefäßeinbruch, Tumorknospen und positive Ränder können auch nach lokaler Entfernung eine zusätzliche Operation erforderlich machen.
Für Kliniken bedeutet die Methode daher keinen einfachen Ersatz, sondern einen neuen Schritt in einem risikoadaptierten Behandlungspfad. Auswahl und Nachsorge gehören in ein interdisziplinäres Tumorboard mit Gastroenterologie, Chirurgie, Onkologie, Radiologie und Pathologie. Hochauflösende Bildgebung und standardisierte Befunddaten sind zentral, um lokale Therapie und notwendige Zusatzbehandlung sicher zu trennen.
Die auf dem Kongress vorgestellten Ergebnisse sind zunächst vorläufig. Benötigt werden vollständige Publikationen sowie längere Daten zu Lokalrezidiven, Fernmetastasen, Lebensqualität und späteren Rettungsoperationen.
Einordnung: Die Vollwandresektion erweitert die Möglichkeiten organerhaltender Präzisionsmedizin, aber nur für eine eng ausgewählte Patientengruppe. Ihr Wert wird daran zu messen sein, ob sie große Operationen vermeidet, ohne die onkologische Sicherheit zu beeinträchtigen.











