Das Bremer Startup Klarvus entwickelt eine KI-Assistenz für die Organisation und Verwaltung von Arztpraxen. Die Software soll wiederkehrende Arbeitsschritte vom Posteingang bis zur Dokumentation übernehmen, während medizinische Inhalte vor der Nutzung durch das Praxisteam freigegeben werden.
Hinter Klarvus stehen Gründer und Entwickler Maximilian Schütz sowie der Internist, Hämatologe und Onkologe Dr. med. Stefan Schütz als medizinischer Partner. Betrieben wird das Angebot von der S Digital UG (haftungsbeschränkt) in Bremen. Die Produktentwicklung orientiert sich nach Angaben des Unternehmens am Arbeitsalltag des Ambulanten Tumorzentrums Bremerhaven, in dem seit dem zweiten Quartal 2026 ein Pilot läuft.
Im Posteingang führt Klarvus E-Mails, Faxe und Nachrichten vom Anrufbeantworter zusammen. Das System klassifiziert Eingänge, ordnet sie Patientinnen und Patienten zu und legt sie in der Akte ab. Aufgaben bleiben mit der ursprünglichen Nachricht verbunden, damit Rückfragen und Bearbeitungsstände im Team nachvollziehbar sind. Nach Unternehmensangaben hat die Software seit Mai 2026 in der Entwicklungspraxis mehr als 7.500 Eingänge klassifiziert.
Aus Gesprächen, Diktaten oder Dokumenten erstellt die Anwendung Entwürfe für Akteneinträge und Arztbriefe. Rein administrative Schritte können automatisiert ablaufen. Sobald medizinischer Inhalt entsteht oder eine Antwort an Patientinnen und Patienten versendet werden soll, muss ein Mensch den Vorschlag bestätigen, bearbeiten oder verwerfen. Klarvus nennt ausdrücklich keine diagnostische oder therapeutische Zweckbestimmung.
Zur Organisation gehören außerdem Arbeitszeiterfassung, Urlaubsverwaltung, Krankmeldungen und ein Export für die Steuerberatung. Eine Anbindung an das Praxisverwaltungssystem Doc Cirrus inSuite soll Patientenzuordnung, Ablage und Kalenderfunktionen verbinden. Damit zielt Klarvus nicht auf ein isoliertes Schreibwerkzeug, sondern auf durchgängige Abläufe zwischen Kommunikation, Patientenakte und Teamorganisation.
Für den Betrieb bietet das Unternehmen drei Modelle mit gleichem Funktionsumfang an. Bei On-Premise laufen Anwendung, Spracherkennung und KI-Modell auf einem Server in der Praxis. Im Hybridmodell bleiben Anwendung und Daten lokal; pseudonymisierte Eingaben werden auf Infrastruktur in Deutschland verarbeitet. Beim Cloudmodell laufen Anwendung, Daten und KI vollständig in Deutschland. Für die Cloud-Infrastruktur nennt Klarvus ein C5-Typ-2-Testat; dieses bezieht sich auf die Infrastruktur, nicht auf die Software selbst. Preise veröffentlicht das Unternehmen bislang nicht.
Einordnung: Der Ansatz adressiert einen Engpass der ambulanten Versorgung: Viele digitale Werkzeuge erzeugen zusätzliche Oberflächen, ohne Arbeitsschritte tatsächlich zu schließen. Ob Klarvus über die Entwicklungspraxis hinaus trägt, hängt vor allem von belastbaren Integrationen, nachvollziehbaren Datenwegen und messbaren Zeitgewinnen im Regelbetrieb ab.











