Bei Krebspatienten mit zentralvenösem Katheter sind zwei Faktoren mit einem besonders niedrigen Risiko katheterbedingter Blutstrominfektionen verbunden: keine Neutropenie und eine kurze Liegedauer. Das zeigt eine Auswertung des deutschen SECRECY-Registers, die auf der gemeinsamen Jahrestagung der deutschsprachigen Fachgesellschaften für Hämatologie und Onkologie vorgestellt wurde.
Zentralvenöse Katheter (ZVK) sind in der Onkologie unverzichtbar. Über sie werden Chemotherapien, Blutprodukte, Antibiotika und parenterale Ernährung verabreicht. Zugleich können Keime entlang des Katheters oder über Anschlüsse in die Blutbahn gelangen. Solche Infektionen können Behandlungen verzögern, Krankenhausaufenthalte verlängern und bei immungeschwächten Patienten schwer verlaufen.
Neutropenie bezeichnet eine verringerte Zahl neutrophiler Granulozyten, die einen wesentlichen Teil der Abwehr gegen Bakterien und Pilze bilden. Sie tritt häufig als Folge intensiver Krebstherapien auf. Dass ihr Fehlen mit einem geringeren Infektionsrisiko verbunden ist, entspricht der biologischen Erwartung und unterstreicht, wie eng Kathetermanagement und Immunstatus zusammengehören.
Der zweite Faktor, die Liegedauer, ist organisatorisch besonders relevant. Mit jedem zusätzlichen Kathetertag entstehen weitere Manipulationen an Anschlüssen und Verbänden sowie mehr Zeit für eine Besiedlung. Die Registerbeobachtung beweist zwar nicht, dass eine frühere Entfernung allein Infektionen verhindert. Sie stärkt aber das Prinzip, täglich zu prüfen, ob der zentrale Zugang noch medizinisch erforderlich ist.
Das SECRECY-Register wurde eingerichtet, um katheterassoziierte Infektionen bei Krebspatienten nach einheitlichen Kriterien zu erfassen. Unterschiedliche Definitionen hatten Vergleiche zwischen Einrichtungen lange erschwert. In prospektiven Studien liegen berichtete Raten je nach Population und Definition zwischen 1,1 und 14,4 Infektionen pro 1.000 ZVK-Tage; bei hämatologischen Erkrankungen kann das Risiko während einer Neutropenie deutlich höher sein.
Für Kliniken folgt daraus ein risikobasierter Ansatz. Neutropenische Patienten mit länger liegendem ZVK benötigen besonders konsequente Überwachung, aseptische Handhabung und eine dokumentierte tägliche Indikationsprüfung. Digitale Katheterregister könnten Liegedauer, Laborwerte, Fieberereignisse und Blutkulturen verbinden und Teams frühzeitig auf steigende Risiken hinweisen.
Die Ergebnisse stammen aus einer Registeranalyse und wurden zunächst als Kongressabstract präsentiert. Sie sollten daher nicht als Grundlage starrer Entfernungsfristen verstanden werden. Kathetertyp, Therapiebedarf, Insertionsstelle, Pflegequalität und individueller Immunstatus bleiben Teil der klinischen Entscheidung.
Einordnung: Der Befund liefert keinen neuen Einzeltrick, sondern stärkt zwei gut steuerbare Prinzipien: Immunrisiko sichtbar machen und unnötige Kathetertage vermeiden. Der nächste Schritt ist die Prüfung, ob standardisierte digitale Warn- und Entscheidungsprozesse die Infektionsrate tatsächlich senken.











