Finanzierung

Kaliforniens Gesundheitskosten steigen schneller als die Löhne

Im Gouverneurswahlkampf versprechen Xavier Becerra und Steve Hilton Entlastung, bleiben bei Finanzierung und Umsetzung aber vage.

By Dr. med. Alvar MollikPosted 30. Oktober 2026

Kaliforniens Gesundheitskosten wachsen schneller als Löhne und allgemeine Inflation. Vor der Gouverneurswahl versprechen der Demokrat Xavier Becerra und der Republikaner Steve Hilton Entlastung, doch bei Finanzierung und Umsetzung bleiben ihre Programme in zentralen Punkten unbestimmt.

Die durchschnittliche Jahresprämie einer arbeitgeberfinanzierten Familienversicherung lag 2025 bei 28.397 Dollar. Das sind 24 Prozent mehr als 2022, während die Löhne im selben Zeitraum um 14,4 Prozent stiegen. Beschäftigte trugen im Mittel 27 Prozent der Familienprämie selbst. Vier von zehn Erwachsenen im Bundesstaat berichten zudem von medizinischen Schulden.

Ein wesentlicher Kostentreiber sind Kliniken und Arztgruppen. Rund 40 Prozent der Gesundheitsausgaben kommerzieller Versicherer entfielen 2024 auf Krankenhäuser. In konzentrierten Märkten können große Systeme höhere Preise durchsetzen; Übernahmen von Praxen schaffen zusätzlich die Möglichkeit, Behandlungen mit Klinikgebühren abzurechnen.

Becerra verweist auf seine frühere Kartellklage gegen das Kliniksystem Sutter Health, die in einem Vergleich über 575 Millionen Dollar und Einschränkungen bestimmter Vertragspraktiken endete. Als Gouverneur will er Arzneipreise stärker verhandeln, das staatliche Generikaprogramm CalRx ausbauen, Primärversorgung fördern und gegen wettbewerbswidrige Praktiken vorgehen. Wie er zugleich drohende Milliardenverluste durch Bundesmittel ausgleichen will, hat er nicht beziffert.

Hilton setzt auf Preisvergleich, mehr Versicherungswettbewerb und strengere Regeln für sogenannte Pharmacy Benefit Manager, die Arzneileistungen zwischen Versicherern, Apotheken und Herstellern verwalten. Für Teile der staatlichen Medicaid-Versicherung Medi-Cal schlägt er persönliche Gesundheitskonten von 8.000 bis 10.000 Dollar jährlich vor. Kosten, Einsparungen und der Weg durch das demokratisch kontrollierte Parlament sind offen.

Bereits heute soll das Office of Health Care Affordability das Wachstum der Pro-Kopf-Ausgaben bremsen. Das Ziel liegt 2025 und 2026 bei 3,5 Prozent und sinkt bis 2029 auf 3 Prozent. Krankenhausverbände halten die Vorgaben für zu niedrig und gehen juristisch dagegen vor. Damit wird die nächste Regierung nicht nur neue Regeln entwerfen, sondern bestehende Instrumente politisch verteidigen müssen.

Weitere Hebel liegen auf Landesebene: Verbote bestimmter Klinikgebühren, breitere Grenzen für wettbewerbshemmende Vertragsklauseln, strengere Prüfung von Zusammenschlüssen und schnellere digitale Vorabgenehmigungen könnten Verbraucher kurzfristiger entlasten. Andere Bundesstaaten kombinieren Ausgabenobergrenzen bereits mit Preisprüfungen oder Zahlungsgrenzen für staatliche Programme.

Termin: Die Gouverneurswahl findet am 3. November 2026 statt. Entscheidend für den Gesundheitsmarkt wird weniger das Wahlkampfversprechen als die Frage, welche Maßnahmen im ersten Haushalt finanziert und gesetzlich verankert werden.

Einordnung

Kalifornien besitzt mit Marktmacht, Aufsicht und öffentlichen Versicherungsprogrammen erhebliche Instrumente. Ohne messbare Ziele für Klinikpreise, Konsolidierung und Patientenkosten droht die Kostenpolitik dennoch bei Transparenz und freiwilligen Sparappellen stehen zu bleiben.

Dr. med. Alvar Mollik

Dr. med. Alvar Mollik

Medizin

Dr. med. Alvar Mollik ist HNO-Facharzt, Gründer von Mindful Doctor und Herausgeber des Buches „Mindful Doctor“. Bei MIDO Health schreibt er über Medizin, Versorgung und die Frage, wie Ärztinnen und Ärzte in einem sich wandelnden System gesund führen können.

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