Für Millionen Medicare-Versicherte in den USA könnten eigenständige Arzneimitteltarife 2027 deutlich teurer werden. Bleiben die derzeit Eingeschriebenen in ihrem bisherigen Tarif, steigt die gewichtete Durchschnittsprämie rechnerisch von 34 auf 51 Dollar im Monat – ein Plus von 50 Prozent.
Die unabhängige Analyse basiert auf den von der US-Gesundheitsbehörde veröffentlichten Tarif- und Leistungsdaten. Von 13,6 Millionen Versicherten ohne einkommensabhängige Zuschüsse würden 10,4 Millionen oder 76 Prozent mehr bezahlen, wenn sie nicht wechseln. Bei 2,4 Millionen läge der Anstieg über 50 Dollar monatlich. Für 4,1 Millionen endet zudem ein bislang prämienfreier Tarif, weil es 2027 keine eigenständigen Null-Dollar-Angebote mehr gibt.
Die Regierung kommt dennoch auf einen wesentlich niedrigeren Wert. Ihre Prognose sieht die durchschnittliche Monatsprämie nur von 35,09 auf 36 Dollar steigen. Beide Zahlen messen nicht dasselbe: Die höhere Schätzung hält die heutige Tarifverteilung konstant, während die amtliche Prognose offenbar berücksichtigt, dass Versicherte in günstigere Angebote wechseln. Die tatsächliche Durchschnittsprämie dürfte deshalb erst nach Abschluss der Wechselperiode feststehen.
Auch die Tarifart macht einen großen Unterschied. Für eigenständige Part-D-Arzneitarife werden im Mittel 51 Dollar erwartet, für den Medikamentenanteil privater Medicare-Advantage-Tarife dagegen etwa 9 Dollar. Advantage-Anbieter können staatliche Rückvergütungen einsetzen, um Arzneiprämien zu senken; eigenständigen Tarifen steht diese Möglichkeit nicht zur Verfügung.
Zusätzlich steigen die Selbstbehalte. Bei eigenständigen Tarifen werden 2027 durchschnittlich 643 Dollar erwartet, nach 540 Dollar im Jahr 2026. Der gesetzlich mögliche Standard-Selbstbehalt erhöht sich von 615 auf 700 Dollar. Zugleich sehen viele Tarife prozentuale Kostenbeteiligungen statt fester Zuzahlungen vor, wodurch die Eigenkosten bei teuren Medikamenten weniger vorhersehbar werden.
Ein möglicher Treiber ist das Ende eines 2025 eingeführten Stabilisierungsprogramms. Es subventionierte eigenständige Pläne und begrenzte Prämienanstiege, wird aber nach 2026 beendet. Die Regierung bezeichnete das Programm als vorübergehende Unterstützung für Versicherer. Niedrigere Herstellerpreise und ausgehandelte Medikamentenpreise können zwar Ausgaben senken, verhindern aber nicht automatisch höhere Versicherungsprämien oder Selbstbehalte.
Service: Die offene Medicare-Wechselperiode läuft vom 15. Oktober bis 7. Dezember 2026; Änderungen gelten ab 1. Januar 2027. Versicherte sollten im offiziellen Planvergleich Prämie, Selbstbehalt, Medikamentenliste, Apothekennetz und jährliche Gesamtkosten prüfen – nicht nur den Monatsbeitrag.
Einordnung
Die Debatte zeigt, wie wenig eine einzelne Durchschnittszahl über individuelle Belastungen aussagt. Politisch entscheidend ist nicht nur, ob Arzneimittelpreise fallen, sondern ob diese Entlastung bei Versicherten mit konkreten Medikamenten tatsächlich ankommt.











